Schnappi, Schnuffel, Technoschlümpfe

Sorry, but you do not have permission to view this content.

 

Owl City – Schlaflosigkeit, verträumte Melodien, traumhafte Karriere.

Da dachte ich, es hätte endlich mal jemand aus meiner ostwestfälischen Heimat in die Charts geschafft. Aber nix da: Hinter Owl City steckt ein weiteres MySpace-Wonder aus den USA. Genauer gesagt aus Owatonna, einer Kleinstadt in Minnesota.

Solche Geschichten wollen wir haben:
Der Teenager Adam Young leidet unter Schlaflosigkeit. Nachts zockt er gerne “Wave Race 64″ auf seinem Nintendo und macht sich daran Musik zu machen, die so klingt wie der Soundtrack des Spiels. Als seine Tüfteleien hörbar sind, gibt er sich den Namen Owl City und stellt die Musik bei MySpace ein. Rasant verbreiten sich seine Lieder und die virtuelle Freundesliste wird immer größer. Sein Song „Hello Seattle“ erreicht mehr als 6 Millionen Plays. 2007 veröffentlicht Owl City selbst die EP “Of June”. Er schafft es bis auf Platz 20 der Amerikanischen Elektronic-Charts, 2008 folgt das Album “Maybe I’m Dreaming” auf Platz 16 der Billboard Electronic Album Charts. 2009 unterschreibt er bei Universal. Die erste Major-Single „Fireflies“ wird ein Nummer 1-Hit in den US-Charts und der am schnellsten verkaufte Electronic/Alternative-Track aller Zeiten. Zudem erreichte das Album die Top Ten der US-Album-Charts.

Eine tolle Geschichte!
Auch wenn vieles davon sicherlich Marketing-Ideen sind. Egal.

Aber warum funktioniert die so gut bei Adam Young?
Es gibt ja auch Millionen anderer einsamer MySpace Musiker. Liegt es nur an guten Promotern?

6 mögliche Gründe:
Die Musik ist einfach gut! - das ist wohl die logischste Antwort.
Klar – Musik ist ein selbstwerbendes Produkt. Passt die Qualität, wird Musik gerne gehört, gekauft und weiterempfohlen.
Die Musik ist immer das wichtigste Argument für den Erfolg eines Songs.
Doch auch gutes Material bleibt oft ungehört. Aufmerksamkeit ist nötig, um eine gewisse Menge an Hörern zu erreichen, die dann einen Hype auslösen können.

Zielgruppe: C64/Nintendo-Daddel-Generation
Vorteil bei Adam Young ist, dass er eine Zielgruppe anspricht, die sehr Computer-affin ist: Die C64/Nintendo-Daddel-Generation. Jeder Computer-Zocker wurde schon mit elektronischen Quietsch-Sounds beduselt, während er Highscores aufgestellt hat. Und nun kommt der Sound zurück – in Popsongstruktur.  Das weckt Erinnerungen an Heldentaten an der Konsole.
Auch das Argument kann nur ein Ansatz sein – gibt es doch tausende Musiker, die ähnliche Sounds produzieren.

Raum für Interpretationen
Youngs Stärke sind aber auch seine Texte. Er bietet stets viel Raum für eigene Interpretationen. Zentrales Thema sind Traumreisen, Fantasiewelten.
Als Text-Beispiel habe ich unten mal den Text von “Hello Seattle” angeführt.

Spannende Songnamen

Die Stärke der Texte fängt schon bei den spannenden Songtiteln an: “Fireflies”, “The Saltwater Room”, “Meteor Shower”, “Vanilla Twilight”,”Umbrella Beach” -
bereits nur die Namen zeichnen Bilder in unserm Kopf. Solche Tracks klickt man doch viel lieber an, als irgendwelche Allerwelts-Songnamen.

Große Gruppen als Adressaten
Mit “Hello Seattle” gelang ihm erstmals besondere Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt das auch daran, dass er mit dem Song eine ganze Stadt anspricht.
- Clever! : Jeder, der irgendwie etwas mit Seatle am Hut hat, dürfte interessiert sein, wenn der Song auftaucht. Millionen Einwohner, wohl aber auch etliche Grunge-Fans.

Neben Seatle und den Computer-Nerds holt Young noch eine weitere große Community auf seine Seite:
Er spricht in Interviews gern über seinen starken christlichen Glauben. Er sieht sich als christlichen Musiker.
Er verzichtet in seinen Songs aber vollkommen darauf, bekehrende – aufdringliche christliche Texte einzubauen.

Konsequenz und Authentizität
All das macht Owl City auf eine sehr authentische und konsequente Weise.
Seine Themen Schlaf und Träume ziehen sich wie eine roter Faden durch seine Arbeiten: Im Bandnamen – das Nachttier Eule. Auf Fotos und Covern sind stets Wolken und Himmel zu sehen – Symbole für Weite und Sehnsucht.. Im Video zu Fireflies ist er in einem Kinderzimmer umringt von Spielzeugen, die  ein Eigenlegen entwickeln. Die Schlaflosigkeit als Start der Karriere und immer wieder als Thema der Texte. Texte voller Bilder, die zum Träumen und Fantasieren einladen. Verträumte Melodien, traumhafte Karriere. Bei Owl City passt einfach alles zusammen.

382.387 MySpace-Freunde hat Owl City am 16.02.2010. Über 40.000 Plays hatte er an diesem Tag auf seinem MySpace Profil.

Text zu Hello Seattle:

Hello Seattle, I am a mountaineer
In the hills and highlands
I fall asleep in hospital parking lots
And awake in your mouth

Hello Seattle, I am a manteray
Deep beneathe the blue waves
Ill crawl the sandy bottom of Puget Sound
And construct a summer home

Hello Seattle, I am the cresant moon
Shining down on your face
I will disguise myself as a sleeping pill
And descend inside of you

Hello Seattle, I am a cold seahorse
Feeling warm in your sand
I sing about the tide and the ocean surf
Rolling in the evening breeze

Hello Seattle, I am an albatross
on the docks and your boats
I sail above your inlets and interstates
Through the rain and open wind

Hello Seattle, I am an old lighthouse
Throwing beams of bright lights
Red in the morning, blue in the evening sun
Taken heed from everyone

Hello Seattle, I am a mountaineer
In the hills and highlands
I fall asleep in hospital parking lots
Take me above your light

Carry me through the night
Hold me secure in flight
Sing me to sleep tonight

Take me above your light (Hello Seattle I am)
Carry me through the night (a mountaineer, In the hills)
Hold me secure in flight (and highlands I fall asleep in hospital)
Sing me to sleep tonight (parking lots and awake)

Quellen:
http://www.magistrix.de/lyrics/Owl%20City/Hello-Seattle-260783.html
http://www.myspace.com/owlcity
http://de.wikipedia.org/wiki/Owl_City

Zum Abschluss noch das Video zu Fireflies:

 

Wir manipulieren die Deutschen Single Charts

Die Briten haben es in der Weihnachtszeit vorgemacht: Rage Against The Machine stand plötzlich mit dem 17 Jahre alten Song “Killing in the Name of” auf Platz Eins der Single Charts.
Der Song wurde in einer Woche über 500.000 Mal als Download verkauft. Hintergrund war diese Facebook-Gruppe: http://bit.ly/inthename
Dort wurde zum Download aufgerufen. Es sollte verhindert werden, dass wieder ein Casting-Show-Sieger die Charts zu Weihnachten anführt. RATM haben sich zudem bereit erklärt, die Einnahmen aus der Aktion zu spenden. Knapp 73.000 Euro kamen zusammen.

Klar, dass das Ergebnis zum Nachahmen animiert. In Irland wollte eine Facebook-Gruppe den Song “Mrs. Robinson” pushen. Der Erfolg blieb allerdings aus.

Nun formiert sich auch in Deutschland eine ähnliche Facebook-Gruppe. In der Beschreibung heißt es:

“Ja! Uns reicht es, dass in den Top 10 andauernd DSDS, Popstars oder anderes Kommerzzeug herum geistert. Mit 79 – 99 Cent kann schon einiges bewegen, wenn man eine große Gruppe ist und einzelne Online-Singles in die Top 10 oder sogar auf Platz 1 bringen. Es reichen 20.000 Käufer, um einen coolen Song auf Platz 1 der Deutschen Single-Charts zu pushen und dafür ist diese Gruppe!”

Die Erlöse sollen auch gespendet werden. Ca. 6000 Mitglieder sind schon dabei. Gerade wird in der Gruppe heftig diskutiert, welcher Song gefeatured werden soll…

Das klingt zunächst alles gut. Boris Fust vom Intro deckt allerdings auf, dass der Erotik-Unternehmer Tobias Huch Initiator der Gruppe ist.
Das bringt doch einen sehr faden Beigeschmack in die Aktion und macht die Aussicht auf Erfolg fraglich.
Spannend ist auch, wie sich Media-Control verhalten wird. Nach der 44-seitigen Systembeschreibung der Musikcharts dürften Bereinigungoptionen bei solchen Aktionen eigentlich keine Anwendung finden.

Aufrufe zu Massendownloads sind nicht neu. So versuchten beispielsweise PodCaster 2007 einen Song an die Spitze der ITunes-Charts zu bringen.

 

Das Hitlabor startet seinen Betrieb

Im Hitlabor werden Songs analysiert.
Warum sind manche Songs erfolgreicher als andere? Was macht Songs zu Hits?
Der Text? Die Musik? Der Sound? Die Vermarktung?
Kultur- und betriebswissenschaftliche Ansätze sollen in diesem Blog auf News und Diskussionen treffen.
Hier wird kein Patentrezept für erfolgreiche Musik zu finden sein. Viele Thesen werden kaum verifizierbar sein.
Im Hitlabor sollen aber spannende Inhalte für Musikinteressierte und viele Anregungen für Musiker erforscht werden.

Auf geht’s!